Das kommende Schuljahr als Bergwanderung begreifen

Gestern kam ich angematscht von der Arbeit. Ich erfuhr die veränderte Einsatzplanung für das Schuljahr 2016/17. Sie verlief für mich nicht wunschgemäß. Konkret bedeutet das, dass ich im kommenden Schuljahr doch zwei Oberstufenkurse unterrichten werde: einen Politikkurs und einen Sporttheoriekurs – die für mich beide vorbereitungsintensiv und mit Klausuren und Abivorbereitungen verbunden sind. Darüber hinaus werde ich Klassenlehrerin einer „Netbookklasse“ (Jahrgang 7), mit der ich gemeinsam Neuland betreten werde. Alles zusammen fühlt sich als Paket momentan zu viel an, insbesondere vor dem Hintergrund, dass ich mich bewusst für ein 3. Jahr Elternzeit entschieden habe, in der ich mit einer „halben Stelle“ erwerbstätig sein wollte. Vereinbarkeit von Familie, Beruf und gelingendem Leben stelle ich mir anders vor.

Mein Unmut kommt sicherlich auch daher, dass ich mit der jetzigen Planung, keinen Oberstufenkurs Sportpraxis abbekommen habe. Das tut mir besonders leid, gerade weil sich zuletzt in meiner Onlinecommunity ein zarter Beginn des Austausches anbahnte, und ich große Lust auf Mattenhandball und Erklärvideos als neues Unterrichtsangebot hatte.

Gerade im Fachbereich Sport haben sich in meiner 2jährigen Abwesenheit Veränderungen ergeben, die mich sehr deprimiert haben. Viele Konferenzen lang habe ich die Kollegen_innen davon überzeugen wollen, dass wir Sportunterricht grundsätzlich koedukativ anbieten und nur in einigen Phasen und Bewegungsfeldern nach Geschlechtern trennen. Ich habe Konzepte für gendersensibles Lernen geschrieben und Mut gemacht. So wie es scheint – nicht nachhaltig genug. 

Noch vor wenigen Wochen habe ich einen Text über meine berufliche Perspektive geschrieben, in dem ich meine wieder gewonnene Motivation für das Arbeiten in der Schule zum Ausdruck gebracht habe. Unter den oben genannten Bedingungen nach dem Sommer wieder ins Geschäft einzusteigen, fühlt sich aktuell an wie eine Bergbesteigung eines Achttausenders.

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Bildnachweis: nanmartinav pixabay.com

Das Glas ist halbvoll

Nun ja, ich werde also qua Amt einer Klassenlehrerin mich kontinuierlich mit dem Lernen unter digitalen Bedingungen auseinandersetzen. Dieses Thema verfolge ich nun seit einigen Monaten. Auch wenn ich immer wieder große Zweifel, Unvermögen und auch Scham gegenüber meiner Inkompetenz verspüre, sehe ich darin eine große Chance. Ich bin davon überzeugt, dass sich mein Unterrichten und mein Denken über dieses Thema verändern werden. Auf diesen Veränderungsprozess bin ich gespannt.

Was die beiden Oberstufenkurse angeht, so hoffe ich, meine ersten Gehversuche im digitalen Unterrichten auch in diese Lerngruppen zu integrieren, setze auf Synergie- und noch mehr Aha-Effekte. Gleichzeitig bedeutet das Lehren in der Oberstufe an meiner Schule ein gewisses Standing – immerhin ist man in die Betreuung des Abiturs involviert. Ich finde diese Einstellung zwar doof und engagiere mich auf allen Ebenen für mehr Wertschätzung für alle Kollegen_innen an der Schule. Als Teilzeitlehrerin werde ich für den Moment von dieser fragwürdigen Anerkennungsdynamik profitieren und gleichzeitig die Verlogenheit einer solchen Denke bei sich bietender Gelegenheit zum Thema machen. 

Er wirkt groß dieser Berg, vor allem weil um ihn herum die Gipfel Einschulung der Tochter, die Eingewöhnung des Sohnes in die Kita und die Weiterbildung als Mediatorin hervor lugen. Ich vertraue darauf – wie schon einige Male in meinem Leben – dass sich ein geeigneter Wanderweg finden wird. Vielleicht treffe ich ja unterwegs auch ein paar Wandersleute, in deren Gemeinschaft sich ein Teil der Wegstrecke gemeinsam zurücklegen lässt. Darüber zu schreiben, fühlt sich immerhin schon einmal an wie Wanderschuhe schnüren.

 

 

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3 Kommentare zu “Das kommende Schuljahr als Bergwanderung begreifen

    • Hallo Andrea, Willkommen auf meinem Blog. Ich schreibe hier auch, weil ich mich von „So ist der Job“ ein wenig lösen möchte. Aber ich sehe, wir machen ähnliche Erfahrungen.

  1. Der Gipfel eines Berges bietet grandiose Aussichten und häufig wird der Aufstieg von Sonnenschein begleitet. Ich wünsche dir, dass dich alle Wege stärken und du mit Zuversicht und Euphorie dem Gipfel entgegen „wanderst“.

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