Alltagsgeflüster#1

Heute ist schon wieder ein besonderer Kita-Tag. Ein Tag, an dem die Erzieherinnen wegen Personalnot die Eltern bitten, ihre Kinder zu Hause zu lassen. Weil ich am Dienstag schon nicht bei der Elternversammlung war und (vermeintlich) sowieso in Elternzeit bin, verbringe ich den Tag mit beiden Kindern daheim. Doch bereits gegen 9Uhr bereue ich meine Großzügigkeit gegenüber der Kita. 

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Bildnachweis: Hans pixabay.com

Nachdem der Mann und Papa zur Arbeit verabschiedet wurde, quäken zwei hungrige Mäuler nach Essbarem. Die Tochter kommt auf die Idee Kindergarten zu spielen, der Sohn möchte auf den Arm. Ich möchte dringend einen Kaffee! Ich beginne Brot zu toasten, Sohnemanns Morgenbrei anzurühren, den Tisch zu decken – da eröffnet mir die Tochter, dass sie jetzt soundso hieße und heute Geburtstag hätte – ich solle die Erzieherin spielen. Und die präsentieren den Geburtstagskindern in der Kita stets einen liebevoll gestalteten Geburtstagstisch mit dekoriertem Thron und kleinen Überraschungen. Der Sohn klammert sich noch immer um die Hüfte. Mein Kaffeewasser kocht zum dritten Mal. Natürlich muss jetzt auch ein Geschenk her, das eingepackt und beschriftet werden möchte. Nebenbei zaubere ich das Frühstück auf den Tisch. Die Tochter fragt inzwischen in der Dauerschleife, ob sie schon reinkommen dürfe. Ich spiele auf Zeit und murmle etwas von Überraschung, während ich den ersehnten Kaffee in meine Tasse gieße. Der Sohn ist jetzt auch ganz aufmerksam und hat vergessen, dass der jammern wollte. Das Geburtstagskind darf reinkommen – das Rollenspiel beginnt. Ich spiele 20 Kinder und die Erzieherinnen, die einzeln der Tochter gratulieren und ihr die besten Wünsche aussprechen. Der Sohn beobachtet die Szenerie vom Küchentisch. Nach Gratulant Nummer 4 kürze ich die Zeremonie ab. Der Sohn hat ohnehin den Frühstücksbrei herunterfallen lassen. Ich wische Tisch und Fußboden und singe unterdessen „Schön, dass Du geboren bist!“. Ich freue mich auf meinen Kaffee.

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Bildnachweis: Skitterphoto pixabay.com

Wenig später sitzen wir zu dritt am Frühstückstisch. Ich kontrolliere zwei Mal, ob beide Mäuler mit Kauen beschäftigt sind, ehe ich zum ersten Schluck Kaffee und gleichsam dem ersten „Ich-Moment“ des Tages ansetze. Es fühlt sich wundervoll an. Es ist noch nicht ganz 9Uhr, und ich denke: 

 

Der Tag verläuft im Weiteren entspannt. Die Sonne scheint, und der Frühling guckt um die Ecken. Beide Kinder spielen viel und friedlich. Ich trinke Kaffee.

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Ein Kommentar zu “Alltagsgeflüster#1

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