Auf die „Mogelpackung Teilzeit“ reagieren

An Berliner Schulen löste ein Artikel von Hiltrud Quast in der Berliner Bildungszeitschrift (bbz) jüngst einige Diskussionen zum Thema Teilzeittätigkeiten an Schulen aus. Die Autorin weist daraufhin, dass laut eines Urteils des Bundesverwaltungsgerichts (BVVerwG, 2 C 16/14) die Arbeitssituation von Teilzeitlehrenden konkretisiert werden müsse.

„Alle unterrichtlichen und nun auch außer-unterrichtlichen Tätigkeiten, wie beispielsweise die Teilnahme an Konferenzen, Elternabenden, Projekttagen oder das Korrigieren von Klassenarbeiten müssen ebenfalls entsprechend der Teilzeitquote reduziert werden.“

Auch an meiner Schule gibt es Bemühungen, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Zeitnah wird es eine Beratung zwischen den Teilzeitlehrenden und der Schulleitung geben, um erste Lösungen zu erarbeiten. Ich sehe diesem Treffen mit gemischten Gefühlen entgegen, obwohl ich eine dieser teilzeitarbeitenden Kollegen_innen bin.

Worum geht es?

Der Grund meines Unbehagens liegt darin, dass ich an meiner Schule Problemlöseprozesse nicht immer konstruktiv erlebt habe. Häufig werden in einem übereilten Aktionismus, Regelungen (und keine Vereinbarungen) getroffen, über deren Zustandekommen Unklarheit oder gar Unzufriedenheit herrscht. 

Ich meine, dass es bei der Bearbeitung dieses Themenkomplexes (Teilzeit-/Vollzeit/Aufgabenverteilung) notwendig ist, sich zu vergegenwärtigen, dass es grundsätzlich um die Bewältigung der schulischen Aufgaben geht. Rechtsanspruch hin oder her. Es macht Sinn auch bei der eigenen Positionierung die anderen Interessensgruppen – Schulleitung, Vollzeitlehrende – nicht aus dem Blick zu verlieren. Immerhin müssen die getroffenen Vereinbarungen von allen Akteuren getragen werden. Kurzum: es geht um die Frage, wie können unter der Berücksichtigung der Interessen und Bedürfnisse Aller sinnvolle Entscheidungen getroffen werden. 

Meine Position

Ich werde im nächsten Schuljahr de facto das 3. Jahr Elternzeit für meinen Sohn in Anspruch nehmen und gleichzeitig mit 15/26h Teilzeit erwerbstätig sein. Wie ich hier schon an anderer Stelle berichtet habe, übernehme ich erstmalig eine sog. Netbookklasse, deren Vorbereitung für mich eine erhebliche Mehrbelastung darstellt. Darüber hinaus werde ich zwei abiturrelevante Oberstufenkurse leiten. Diese Planung habe ich so nicht erwartet und hat mich anfangs sehr belastet. So hatte ich mir die Reduktion meiner Stundenzahl nicht vorgestellt. Ungerecht empfand ich die Verteilung der beiden Oberstufenkurse, die korrektur- und vorbereitungsintensiv sind. Dieses Arbeitspaket fühlt sich zwar immer noch sehr groß und sperrig an, aber immerhin kann ich das kommende Schuljahr inzwischen als Bergwanderung begreifen. Ein wenig kann ich die Perspektive zulassen, dass es diesmal keine bessere Regelung gab, und dass sich über kurz oder lang die „Ungerechtigkeiten“ ausgleichen werden.

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Bildnachweis: geralt pixabay.com

Lösungsprozess

Das ändert nichts an der Tatsache, dass auch ich mir bei einigen Aufgaben (Konferenzen, außerschulische Veranstaltungen) im Schulalltag als Teilzeitlehrende Entlastung wünsche. Noch mehr aber wünsche ich mir, dass ich mein Anliegen und mein Motiv dahinter artikulieren darf. Ich finde es wichtig, dass ich meine Position sicht- und hörbar machen kann, und sie in einen gemeinsamen Lösungsprozess einfließt. Gleichermaßen gehört es für mich zu einem guten Umgang die Gegen- bzw. vielen Nebenpositionen wahrzunehmen. Ich bin davon überzeugt, dass es Sinn macht, wenn Personen sich gesehen fühlen und ihr Engagement in Schule und anderswo anerkannt wird. Dass sie dann in der Lage sind Ressourcen freizulegen und sich gern (eher) im Arbeitskontext einbringen.

Mein Wunsch

Insofern liegt es mir fern, in den kommenden Beratungen komplizierte Regelungen zu finden, die dann auch wieder mühsam kontrolliert werden müssen. Ich bin bereit „Mehrarbeit“ zu leisten, wenn ich die Gewissheit hätte, dass ich mich jederzeit um das Wohle meiner Kinder kümmern kann, ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen. Das machen sich Eltern nämlich oft genug von allein. 

Best practices

Dennoch interessiert mich, wie Ihr in Euren Kollegien, Betrieben, Unternehmen, Ministerien 😉 mit dem Thema Teilzeit/Vollzeit umgeht.

  1. Welche konkreten Regelungen gibt es?
  2. Wie seid ihr zu diesen Regelungen gekommen (Austausch, Beratung, Vorgabe „von oben“?)

Ihr würdet mich sehr unterstützen, wenn Ihr mir hier oder auf Twitter eine kurze Mitteilung hinterlasst. Meine Dankesgrüße sind bereits auf dem Weg zu Euch!

feedback-Kugel

Folgende Anregungen habe ich über Twitter erhalten. Sie haben mir sehr geholfen. Vielen Dank dafür!

 

 

 

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2 Kommentare zu “Auf die „Mogelpackung Teilzeit“ reagieren

  1. Liebe Lernbegleiterin,
    auch ich arbeite Teilzeit als Lehrerin in einer Grundschule: 16/25 Schulstunden à 50 Minuten. Das Thema treibt mich auch (manchmal) um, vor allem, seit ich eine Klassenleitung habe. Ich habe den direkten Vergleich zu „nur Fachlehrerin“ sein und mein Arbeitsaufwand hat sich verdoppelt.
    Zwei dinge könnten (in der GS) mehr Gerechtigkeit bringen:
    Eine Klassenleitung sollte auch ein anderes Gehalt bedingen.
    Wir sollten nicht auf jeden Zug aufspringen und quasi wöchentlich Dinge tun, die wegen des Abhakens, für eine bessere Außenwirkung (Zeitung, Homepage), für unser Ansehen vor den Eltern, wegen des Schulrates getan werden. An meiner Schule vergeht kaum eine Woche, in der es nicht extra Aktivitäten gibt, die uns in unserem Lernfluss und unserer Ruhe zum Lernen behindern. Beispiele: gesundes Frühstück mit den Eltern, Internet Führerschein, Sportvereine an der Schule, die ihren Sport vorstellen, Lese-Events, Schulzahnarzt, diverse Wettbewerbe, Entdecker Werkstatt, Kreativ-Markt… Klingt alles gut, erfordert aber einen erhöhten Vorbereitungsaufwand, der zusätzlich zur normalen Vor- und Nachbereitung dazukommt. Für Fachliteratur oder Fortbildung zum Beispiel bleibt da kaum noch Zeit.
    LG,

    stefanie

    • Liebe Stefanie,
      ich danke Dir für Deinen Kommentar. Ich nehme ihn als weitere Perspektive in die Gespräche an unserer Schule mit. Ich gehe davon aus, dass dieses Thema „Teilzeit und Entlastung“ mich noch einige Zeit begleiten wird. Ich werde dann an dieser Stelle berichten.
      Ansonsten stimme ich Dir zu, dass die vielen „Extras“ nicht in puren Aktionismus ausarten dürfen. Ich erlaube mir in diesem Zusammenhang 1-2 Punkte, bei denen ich mich engagiere und deren Inhalte ich in meine allgemeinen Arbeitsabläufe einfließen lasse. Bei mir ist das z.B. das Thema „Digitales Lernen“, was ich in meinen bisherigen Unterricht einbauen möchte – und zwar auf eine Art und Weise, dass es mittelfristig keine „Zusatzbelastung“ (=Extra) für mich darstellt.
      Beste Grüße soweit und einen schönen Sommer!

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