Aufbruch in neue berufliche Perspektiven

Dieser Artikel ist ein Ausschnitt aus einem längeren Blogpost, in dem ich über meine 2 Jahre Elternzeit persönlich bilanziere. Im Folgenden geht es um berufliche Perspektiven, die sich während meiner Auszeit ergeben haben. Sie handeln von einer Mediationsausbildung und meinem Betreten des #Neulands u.a. in Gestalt des #edchatde.

Aufbruch in neue berufliche Perspektiven

Im November 2015 – zeitgleich mit dem 1. Geburtstag des Sohnes – beginne ich eine Mediationsausbildung. Ich verfolge damit keinen konkreten Plan, allenfalls ein kleines Plänchen, was eher eine Hoffnung ist, mit den neu erlernten Kompetenzen, auch meine berufliche Situation um eine Perspektive zu erweitern. Hauptmotivation für die, gelinde gesprochen, nicht preiswerte Ausbildung ist der Wunsch, mich im Umgang mit Konflikten zu professionalisieren. Im Schulalltag erlebe ich auf den verschiedensten Hierarchieebenen diverse Konflikte, die aus meiner Sicht mit Hilfe einer guten Kommunikation und ein paar Mediationstechniken durchaus auflösbar bzw. bearbeitbar wären.

Natürlich – und das ist der eigentliche Gewinn dieser Ausbildung – lerne ich viel über mich und mein eigenes Konfliktverhalten. Dies in einem geschützten Rahmen zu reflektieren, empfinde ich als sehr wertvoll. Nach wenigen Modulen hat sich bereits meine Sprache verändert: ich versuche präzise zu formulieren, Vorwürfe zu vermeiden, eigene Gefühle und dahinterstehende Bedürfnisse zu erkennen und entsprechend zu verbalisieren. Das hat dazu geführt, dass ich mit meinen Kindern zusammen nun eine neue Sprache erlerne – die Sprache der Wertschätzenden Kommunikation.

Der zweite größere Aufbruch, den ich derzeit erlebe, ist die Auseinandersetzung mit dem was im Internet unter #DigitalesLernen oder #LernenunterdigitalenBedingungen verhandelt wird. Ich habe dazu mein bereits 2013 angelegtes Twitter-Account reanimiert. Ich lese zunächst passiv mit, beginne nach und nach Sterne zu verteilen und gehe über zu ersten Kommentaren und später zu eigenen Statusmeldungen. Ich trete in Austausch mit anderen Leher_innen, die sich auf dem Feld des „digitalen Lernens“ engagieren. Ich lerne, was eine PLE ist und begreife die Plausibilität, dies auch für mich zu nutzen. 

edchatde

Irgendwann treffe ich auf den #edchatde und kann mich noch an jenen Rausch erinnern, als ich das erste Mal daran teilgenommen habe. So viel Input innerhalb kurzer Zeit von i. w. S. gleichgesinnten Kollegen_innen. Das verleiht mir große Motivation und bewirkt, dass ich mich an meiner Schule tatsächlich um das Amt einer „Medienklassenlehrerin“ bewerbe. Ich habe große Lust, mein rudimentäres Wissen a) zu erweitern und b) in den Lehr-Lernprozess einzubringen. Von den politischen Implikationen, die mit der Digitalisierung der Gesellschaft einhergehen, lasse ich mich zuletzt beim Verfolgen der re:publika überzeugen. Mir ist schleierhaft, wie ich dieses Thema so lange ignorieren konnte. 

Schließlich beginne ich diesen Blog. Ich überwinde meine Hemmungen, persönliche Gedanken ins Internet zu fabulieren. Ich verfasse Artikel, die mir schon lange auf der Seele lagen, z.B. über mein Verständnis vom Lehrberuf. Ich erlebe dieses „Spannungsgefühl“, das erste Mal auf den Button „Veröffentlichen“ zu drücken. Zack. Die Gedanken sind runter von meiner gedanklichen Festplatte, und ich kann sie jederzeit nachlesen. Andere können das auch. Gut so! Auch hier habe ich keinen festen Plan, wohin mich diese Reise führt. Ich lasse mich überraschen. In jedem Fall bin ich aufgebrochen in dieses #Neuland. Und das ist momentan für mich sehr stimmig.

Gleichzeitig habe ich in meiner kurzen Online-Präsenz einiges über Social Media gelernt. Ich habe unschöne Twitterdiskussionen verfolgt, bin einem Troll begegnet, wurde selber bereits geblockt usw. Ich fühle mich gewarnt auch vor dem Phänomen der digitalen Erschöpfung, möchte behutsam die FilterBubble wachsen lassen und zu einer gesunden Selbstregulation kommen. Auch darüber werde ich öffentlich nachdenken. 

Zusammengefasst dienen diese Aufbrüche in neue berufliche Perspektiven vor allem dazu, meine Begeisterung für den Lehrberuf neu zu justieren und ein Stück weit zu rehabilitieren. Ich möchte mein Arbeiten an der Schule wieder mehr zu meinem eigenen machen, mich lösen von der Übermacht der Ausführungsvorschriften. Ich möchte im Rahmen meiner Möglichkeiten mich einbringen und gestalten. Diese mit Leben erfüllte Erkenntnis war aus beruflicher Sicht der eigentliche Mehrwert meiner Elternzeit.

2 Jahre Elternzeit – I would do it again – in jeglicher Hinsicht!

 

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