Du sollst nicht nach dem „Mehrwert“ fragen!

„Du sollst nicht nach dem Mehrwert fragen“ ist eine zum Mantra gewordene Erkenntnis im Zusammenhang von Schule, die sich Gedanken um eine Gesellschaft unter digitalen Bedingungen macht. Sie offenbart Dynamiken der Kommunikation und Vermittlungsdefizite bei der Implementierung digitaler Medien  ins Bildungssystem.

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Bildnachweis: kaboompics pixabay.com

Seitdem ich Diskussionen auf Twitter und oder Tagungen online über das #DigitaleLernen i. w. S. verfolge, begegnet mir häufig die gleiche Frage. Mehr noch, es ist eher eine gleiche Dynamik, die um diese Frage herum ausgelöst wird. Zunächst nicht abgeneigte Lehrer_innen hören den Ausführungen und best practice Beispielen zu und fragen dann scheinbar ungeniert in die Runde: „Wo liegt nun der Mehrwert?“ Die gerade noch motivierten Referenten reagieren enttäuscht bis genervt. Auf Twitter werden dann ironisch alle möglichen Wortspiele um den Begriff „Mehrwert“ bemüht. 

Genealogie der Mehrwertdebatte

Ich frage mich, woher das kommt. Wann begann es, dass die Frage nach dem naiv dahingesagten „Mehrwert“, der eigentlich Potential, Nutzen, Möglichkeit meint, nicht mehr beantwortet werden möchte? Seit wann ist das so, dass sich eine kleine community über ein kollektives Generve identifiziert? Das interessiert mich wirklich. Kennt jemand vielleicht Jemanden, der darüber mal einen Text geschrieben hat – eine Genealogie der Mehrwertdebatte?!

Gleichzeitig – so viel ist mir nach kurzer online-Präsenz bereits klar – zielt die Frage nach dem Mehr-Wert ins Leere. Es geht nicht darum einen wie auch immer gearteten Mehr-Wert beim Einsatz von digitalen Endgeräten im Unterricht zu bestimmen. Vielmehr gilt es m. E. generell einen Wert digitaler Bildung zu identifizieren und in weiteren Schritten gegenüber anderen Bildungsinhalten abzugrenzen. Ist das nicht das Wesen von Legitimationsdiskursen im Bereich Bildung(stheorie)?

Genervtsein von der Debatte

Wie aber kann man die Pioniere und alten Hasen auf dem Feld des digitalen Lernens insofern entlasten, dass sie nicht immerzu die gleiche Frage beantworten müssen und dadurch in diese „Demotivationsspirale“ hineingeraten. Denn tatsächlich werden in der „Mehrwertdebatte“ keine, oder sagen wir kaum reale Fragen gestellt, sondern vielmehr Ängste bearbeitet. Es sind die Ängste vor Veränderung, vor Versagen, vor Gesichtsverlust – aus meiner Sicht durchaus nachvollziehbare Ängste. Aber immerhin Ängste, verpackt und getarnt in der Frage nach „Mehrwert“.

Vielleicht macht es Sinn im Zusammenhang mit der „Mehrwertsdebatte“ andere Strategien der Vermittlung und Kommunikation zu suchen und sich davon zu lösen, eine Frage zu beantworten, die eigentlich keine Frage ist. Und überhaupt: Bringen wir den Schüler_innen im Unterricht nicht bei, selber Antworten auf ihre Fragen zu suchen und begleiten sie allenfalls in ihrem Findungsprozess, indem wir ihre Suche und ihre Antworten gemeinsam reflektieren. Meist ergeben sich doch genau in dieser Reflexion erst die wirklich spannenden Fragen.

 

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Bildnachweis: geralt pixabay.com

  • In den Reaktionen auf Twitter habe ich einen netten Hinweis von Marc Albrecht zu folgendem Beitrag erhalten, in dem für mich plausibel die Möglichkeiten digitaler Medien im Unterricht dargestellt sind. Ich deklariere ihn fortan als meine Standardantwort, falls jemand dringend ein „Mehrwertargument“ benötigt. Dennoch plädiere ich dafür, nicht allen Frager_innen, die Antworten bereits vorzugeben.
  • Folgenden Vorschlag von @beatdoebeli zur Re-Formulierung des oben genannten Mantras finde ich sehr passend. Er scheint mir eine geeignete Konkretisierung mit Auswirkung auf Denk- und Formulierungsmuster innerhalb der „Mehrwertdebatte“.
  • Nicht zur Debattenkultur, aber inhaltlich zeigt dieser Artikel von A. Krommer (), welche Fallstricke im Nachdenken über „Mehrwert“ im Zusammenhang mit digitalen Medien und schulischem Lernen besser vermieden oder ggf. sorgsam entheddert werden sollten. 
  • Folgender Text von Richard Heinen – Worüber wir reden (sollten), wenn wir von digitaler Bildung reden – bearbeitet zwar nicht das Thema „Mehrwert“ im Zusammenhang von „Digitaler Bildung“, ist aber für mich ein richtungsweisender Text für die Basisarbeit in vielen Kollegien. Hier wird sensibel und verständnisvoll von Lehrenden gesprochen, die bereit sind, sich auf den Weg zu machen und den Prozess der Digitalisierung im Bildungsbereich vorantreiben wollen. Vor allem aber werden die 10-15% der Lehrenden, die schon lange wertvolle „Pionierarbeit“ leisten benannt und gewürdigt. Das sollte in meinen Augen öfter geschehen!

 

 

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GuestGuestGuest

6 Kommentare zu “Du sollst nicht nach dem „Mehrwert“ fragen!

  1. Ich bin auch sehr zurückhaltend, wenn es um den ‚Mehrwert‘ von Schule und Bildung geht. Es klingt sehr starkt nach Zuwachs und der wird oft reduziert auf Nutzen. Anwendungsnutzen. Anwendungswissen. Ökonomie der Bildung. Effizienz und Perfektionismus schauen da schon neugierig um die weiteren Ecken des Bildungslabyrinths.
    Ich verwende gerne den Begriff ‚Wertschöpfung‘, da er Dynamik, Entwicklung und Kreativität beinhaltet. Es bezeichnet die Spannweite von Neu-Schöpfung bis ab-schöpfen. Es ist handgemacht, ein manufactum. Darum ist die Reflexion der Schlüssel. Eine Art sich stetig selbst zu vergewissern, dass das, was man tut, mit dem was man will, übereinkommt. Schülerinnen und Schüler zur Reflexion anleiten ist somit eine sich nie erschöpfende Arbeit. Thomas Mann sagte mal:“ Denken und danken sind verwandte Wörter. So danken wir dem Leben, indem wir es bedenken.“

    • Vielen Dank für Deinen Kommentar! Ich mag sehr die würdevollen, beinahe vorsichtigen Formulierungen zum Thema „Schule und Bildung“. Sie sind ein gutes Gegenbeispiel zu dem, wie ich Beiträge aus der „Mehrwertdebatte“ oder Diskussionen um das „Digitale Lernen“ i.w.S. wahrnehme: nämlich teilweise ruppig und genervt.
      Den Gedanken der „Wertschöpfung“ kannte ich so noch nicht, finde ich aber sehr schön. Lädt ein zum Weiternachdenken.

      • Ich beobachte aufmerksam die Szene und mir missfällt der apodiktische Ton sehr. Unter Kolleginnen und Kollegen sollte stets Achtsamkeit und Respekt das erste Gebot sein. So wie hier miteinander diskutiert wird, so wird auch in Konferenzen, Kollegien und vor allem im Unterricht agiert. Daraus können Verletzungen entstehen. Ich bin Theologe und arbeite als ‚Geburtshelfer‘ für das menschliche Antlitz des Systems Schule. Danke für Dein Kompliment, es bestärkt mich.

  2. Ein toller und zum Nachdenken anregender Text zu einem gerade vielfach diskutiertem Thema. Danke!!
    Und liebe Mehrwertsverfechter, was tun wir nicht alles täglich und stündlich, ohne Mehrwert? Was uns „von oben“ aufgesetzt wurde. Gerade im Bereich der digitalen Medien haben wir doch gerade genug Freiheiten, die wir schülerorientiert nutzen können.
    Warum also nicht Schüler in ihrem Findungsprozess begleiten und reflektieren, mit und ohne Mehrwert ; )

    • Ja, das empfinde ich auch gerade so. Von mir aus kann das ruhig noch ein bisschen dauern mit der „Implementierung des digitalen Lernens“ in die Schule. So viel gedankliche Freiheit und vor allen Dingen Motivation habe ich schon lange nicht mehr in Bezug auf das Unterrichten gespürt. Danke für Deinen Kommentar!

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