Ein Erinnerungswochenende in London

In den vergangenen Tagen hatte ich Besuch von meiner AuPair-Freundin und ihren beiden zauberhaften Kindern. Wir haben an zwei Tagen gemeinsam Berlin erkundet, so wie wir das vor knapp 20 Jahren in London gemacht haben. Während wir so die kinderfreundlichen Sehenswürdigkeiten (Naturkundemuseum, Reichstag, Legoland) bestaunten, kam mir der Gedanke, was wäre wenn: wir uns Zeit für ein verlängertes Wochenende nähmen, das nötige Kleingeld zusammenkratzen und die alten Wege in London zurückverfolgen würden. Diese kleine Vision ist dabei entstanden.

Wir würden uns – wie so viele Male – in der Nähe der bekannten Waterloo Station im Southbank Centre treffen. Dort haben wir häufig zur Mittagszeit Jazzmusik gehört, bezahlbaren Kaffee getrunken und von dort die Aktivitäten für das Wochenende geplant.

Skeeze pixabay.com

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Wie entscheiden uns den bekannten Tower Bridge Walk zu machen, der immer entlang der Themse bis zum bekannten Symbol der Stadt führt. Wir entdecken die Millennium Bridge, die es zu unserer Londoner Zeit noch nicht gab. Zur Jahrtausendwende wurde der stark umstrittene Bau fertiggestellt. Er eröffnet einen direkten Zugang zur St. Paul’s Cathedral, ohne dass man umständlich den Nahverkehr nutzen müsste. Außerdem machen wir einen Abstecher in die Tate Gallery of Modern Art, die es im vorigen Jahrhundert dort auch noch nicht gab. Es ist ein schöner Spaziergang, der auf preiswerte Art und Weise ein schönes Londongefühl vermittelt. Wir sind ihn damals viele Male gegangen, meist wenn uns Freunde oder Familie aus der Heimat besucht haben.

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Millennium Bridge: ahundt pixabay.com

Mit der U-Bahn und den berühmten Bussen geht es zurück in die City, wo wir uns ein Musical anschauen werden. In London habe ich das erste Mal in meinem Leben ein Musical besucht. Etliche sollten folgen, und es war immer wieder ein Erlebnis in der Hauptstadt des Vereinigten Königreiches abends unterwegs zu sein.

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Am nächsten Tag – es ist wunderschönes Wetter – planen wir einen Ausflug  zu dem berühmten Nullmeridian nach Greenwich. Dort haben wir seiner Zeit lustige Fotos mit unseren analogen Fotoapparaten gemacht. Das wollen wir wiederholen. Außerdem kann man dort herrlich spazieren gehen, was wir sehr genießen. Wir schwelgen in alten, aber sehr schönen Erinnerungen. Viel Zeit ist seither vergangen, einige Krisen mussten durchlebt und bewältigt werden. Wir haben Familien gegründet und probieren uns darin, Beruf und Mutterschaft miteinander zu vereinbaren – in Teilzeit versteht sich. Wie auch immer – im Park von Greenwich zu flanieren, tut unheimlich gut.

Granito pixabay.com

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Guter Dinge machen wir uns auf den Rückweg in die Stadt – diesmal mit dem erschwinglichen Taxiboot auf der Themse, was uns noch einmal herrliche Blicke auf die vielen Sehenswürdigkeiten beschert. Wir fotografieren inzwischen mit unseren Smartphones. Ein Selfie mit verwehtem Haar darf selbstverständlich auch nicht fehlen. Anschließend schlendern wir noch ein bisschen im Pulk der anderen Touristen im Regierungsviertel umher, lassen uns abermals von der Ehrwürdigkeit des Big Bens beeindrucken und starten ins Abendprogramm.

pdimaria pixabay.com

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Sehr schöne Erinnerungen habe ich an die St. Martins in the Fields Church, wo wir häufig in der Krypta unsere lahmen Füße gepflegt und bei Kaffee und Scones Postkarten geschrieben haben. So manches Mal besuchten wir eines der klassischen Konzerte bei Kerzenschein. Die gesamte Kirche ist dann von Kerzen erleuchtet, und für einen Moment kann man dem Eindruck erliegen,als käme die Stadt zur Ruhe. Tatsächlich kreiseln draußen die Busse um den Trafalgar Square. 

Alex Van pixabay.com

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Natürlich darf bei einem London-Erinnerungsbesuch auch ein Abstecher in unsere alten Gefilde nicht fehlen. Wir starten unseren dritten Londontag in Wimbledon – schlendern durch das Village, gucken nach der legendären „Steffi Graf-Villa“ und trinken einen Kaffee in einem der netten Cafés up the hill. Anschließend treffen wir einen alten Bekannten im sogenannten Musical Museum. Wir lassen uns wie damals auf den alten mechanischen Musikinstrumenten die berühmten Songs von Gershwin und Co vorspielen und schmunzeln in uns hinein, wie sehr doch die Zeit vergangen ist. Wir genießen die Aufmerksamkeit und das Wiedersehen. Verzaubern lassen wir uns aber diesmal nicht. Den Nachmittag und Abend lassen wir in Twickenham und Richmond ausklingen – einem angesagten Treffpunkt direkt an der Themse. Wir halten die 1/2 pints of Cider in den Händen und re-konstruieren die alten Zeiten. Noch einmal stellen wir fest: es waren sehr schöne Zeiten.

Fuzz Pixabay.com

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Glücklich und geschafft genießen wir einen letzten Blick über den Wolken, bevor es zu Hause wieder trubelig wird. Es war ein schönes – geträumtes – Erinnerungswochenende auf alten Pfaden. Nur wir zwei. Da wir inzwischen aber beide Kinder haben, die bereits im städtereisetauglichen Alter sind, könnte es sein, dass dieses Wochenende ein bisschen modifiziert und auf Kinderbedürfnisse abgestimmt wird. Ihnen zu zeigen, wo die Muttis einst eine nahezu unbeschwerte Zeit verlebt haben, wäre auch sehr reizvoll. 

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2 Kommentare zu “Ein Erinnerungswochenende in London

  1. … was für ein schönes Essay!!
    Wäre fantastisch, wenn wir die Ideen tatsächlich umsetzen. Wenn ich das so lese, merke ich, was sich doch alles verändert hat und wie viel Zeit vergangen ist. Aber ich bereue nichts, sondern freue mich riesig, dass diese Zeit unvergesslich bleibt.
    Am schönsten aber ist, dass ich eine Freundin gefunden habe, die ich auch Jahre später so familiär empfand wie am Ende des 20. Jahrhunderts :)

    Herzliche Grüße an alle

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