Familienreise mit dem Wohnmobil von Berlin nach Dubrovnik

Die hier beschriebene Reise ist ein Ausschnitt aus meiner persönlichen Bilanz von 2 Jahren Elternzeit. Diese Reise markiert einen der Höhepunkte meiner „Auszeit“. Für uns als Familie eine unvergessliche, weil sehr intensive Zeit.

Im Mai 2015 erfüllten wir uns einen kleinen großen Traum – 5 Wochen mit dem Wohnmobil durch Kroatien. Zwei Erwachsene, ein Kindergartenkind, ein Baby, 3 Fahrräder, 10 Hörspiele, 1 Tiptoi-Buch u.v.a.m. Ich kann an dieser Stelle abkürzen: Es war hervorragend! Die Eindrücke und gemeinsamen Erlebnisse, die Aufregungen, die Überraschungen, die intensiv verbrachte Zeit als Familie, das Unterwegs sein. Einfach Alles. Ich wünsche jeder Familie eine solche Erfahrung und weiß gleichzeitig, dass wir an dieser Stelle im buchstäblichen und übertragenen Sinne reich beschenkt wurden. 

Die Reise funktionierte vor allem deshalb so gut, weil wir schnell realisierten, auf Augenhöhe der Kinder zu reisen. Kinder meint insbesondere unsere damals 4jährige Tochter, die mit ihrem Kindergartenhorizont ganz andere Bedürfnisse an Städtetrips und Autofahren hatte als wir. Das bedeutet, dass wir kleine Streckenabschnitte wählten, mindestens 2-3 Tage an einem Ort verweilten und genügend Zeit zum Nichtstun bzw. Spielen einplanten. Die Bedürfnisse des Sohnes (6 Monate) konnte ich mit Tragetuch und Stillen gut befriedigen. 

Unsere Route nach Kroatien führte uns über Prag – mit Besuch eines lieben Freundes und Familie, anschließend nach Wien, das wir wunderbar mit dem Fahrrad erkundeten und schließlich nach Slowenien zur größten Tropfsteinhöhle Europas.

Auf Istrien blieben wir eine Woche und erfreuten uns an dem türkisenen Blau der Adria, den roten Dächern von Rovinj, der Arena von Pula und vor allem daran, dass wir den Luxus der Vorsaison nutzen konnten. Dieses Festgelegt sein auf die Ferien ist mir in diesen Wochen schmerzlich bewusst geworden.

Als wir uns zu dem Nationalpark Plitvicer Seen ins Landesinnere auf den Weg machten, konnten wir sie sehen, auch 20 Jahre nach Zusammenbruch des Staates Jugoslawien – die Spuren des Krieges als Einschusslöcher an Häusern. Ein Eindruck, der sich später mit dem Abstecher nach Bosnien und Herzegowina noch einmal verstärken sollte. Das Weltkulturerbe Plitvicer Seen darf allerdings zu Recht als „Paradies auf Erden“ für Wasserfälle bezeichnet werden. Wir verlebten einen wunderschönen Tag und waren mächtig stolz auf die wacker laufende Tochter. Ein Besuch in der Hauptferienzeit kann ich aber nicht guten Gewissens empfehlen. Bereits im Mai empfand ich das Menschenaufkommen auf den mitunter schmalen Pfaden und Stegen grenzwertig. Nichtsdestotrotz, die Vielzahl der Wasserfälle, das Farbenspiel, die Natur – sie lohnen wirklich!

Was bleibt noch hängen von 5 Wochen Wohnmobilreise? Zum Beispiel, dass wir auf der Insel Brac ein richtiges Freiheitsgefühl spürten, als wir das einzige Mal „wild gecampt“ haben. In einem kleinen Dorf die Kirche im Rücken die Adria vor der Nase – da war er der Wunsch, die Zeit dürfe ruhig stehen bleiben. 

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An Dubrovnik haben wir schöne Erinnerungen an den Mauerwalk über der Altstadt, als wir vor einem Gewitter davon liefen, und es gleichsam sehnsüchtig erwarteten. Die Temperaturen Ende Mai waren nämlich bereits auf unerträgliche 30 Grad und mehr gestiegen. Gleichwohl beschlossen wir nach 2 Tagen Tourismusmodus Dubrovnik zu verlassen und ungeplanter weise Mostar in Bosnien und Herzegowina zu besuchen. 

Dieser Abstecher wurde zum absoluten Highlight unserer Reise, was an den Begegnungen mit den Menschen und dem weniger westlich geprägten Land lag. Dort, wo wir wenige Kilometer zuvor noch prächtige Kirchen besichtigten, ragten nun Minarette in den Himmel. Das Straßenbild zeigte ein ärmliches Land, das kein Geld hat, die Spuren des Krieges zu beseitigen. Einzigartig war der Besuch deshalb, weil wir Fremdheits- und Willkommenserfahrungen zugleich erlebten. Die fremde Sprache, die islamische Kultur, die Armut – sie erzeugten Gefühle der Unsicherheit. Und gleichzeitig wurden wir auf dem privaten Campingplatz so herzlich empfangen, mit Gaben aus dem Garten und „Selbstgebranntem“ verwöhnt. Das hatte eine Ambivalenz, die wir nicht erwartet hatten. Und Mostar bei untergehender Sonne bleibt uns unvergesslich.

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Aus Sicht der Tochter war diese Reise dahingehend ein Gewinn, weil sie im Verlaufe der Fahrt ein Verständnis dafür entwickelt hatte, dass es unterschiedliche Länder mit entsprechenden (Haupt)Städten gibt, in denen die Menschen verschiedene Sprachen sprechen. Gleichzeitig sahen wir, dass Kinder sich letztlich auch ohne gemeinsame Sprache verständigen können. Erst nach und nach wurde mir durch beiläufige Bemerkungen klar, wieviel sie durch die Reise gelernt hatte. Reisen bildet eben doch!

 

 

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