Geburtstag eines Pferdefans

Gestern sind die Feierlichkeiten anlässlich des 6. Geburtstags der Tochter zu Ende gegangen. Sie dauerten eine Woche lang, und ich bin froh, dass ich momentan die Zeit habe, diesen für die Tochter sehr wichtigen Geburtstag zu zelebrieren. Seit mehr als einem Jahr heißt es nämlich: „Wenn Du 6 Jahre alt bist, kommst Du in die Schule!“ Dieser Zeitpunkt ist nun gekommen. 

Den Abend vor dem Geburtstag habe ich mir frei gehalten, backe Kuchen und gestalte den Geburtstagstisch. Während ich die Geschenke drapiere, Lavendelblüten aus dem Garten hole und den Kuchen aufwändig dekoriere, frage ich mich, warum ich das alles mache. Die Tochter hätte sich zweifelsohne über eine „Fertigdeko“ von Anna&Elsa gefreut, und ich hätte die Zeit für anderes nutzen können.

Die Antwort auf die Frage nach dem Warum ist schlicht und ergreifend, weil es mir Spaß macht. Ich mag es, mir Zeit zu nehmen, Dinge schön anzurichten und dabei die Gedanken schweifen zu lassen. Ich erinnere mich, wie es vor einem Jahr war als die Tochter 5 wurde. Ich staune, wieviel in diesem zurückliegenden Lebensjahr passiert und beseufze, wie schnell die Zeit vergangen ist. Geburtstagsvorbereitungen sind insofern ein Ritual für mich geworden. Eine feierliche Handlung mit Symbolgehalt.

Dass die Tochter sich über ihren Geburtstagstisch freut, an den Lavendelblüten schnuppert und kurz verharrt, bevor sie die Geschenke auspackt, ist für mich ein Beleg, dass sie die Bedeutung meiner Bemühungen ein wenig erspürt. Darüber freue ich mich. Ich freue mich auch über ihre (noch) kindliche Freude angesichts des Springseils, der heiß ersehnten Reiterhose und der Schwimmbrille. Später wird sie damit durch den Garten galoppieren und für einen der vielen „Hach-Momente“ sorgen. Ich sauge sie auf, da ich weiß, dass sie von nun an weniger oder sagen wir anders werden. 

Kindergeburtstag zu Hause oder auswärts

In der Kita wird auch ausführlich Geburtstag gefeiert. Wer wissen möchte, wie das dort abläuft, kann hier nachlesen. Ich habe im Rollenspiel schon an unzähligen Geburtstagsfeiern in der Kita teilgenommen. Sie laufen immer gleich ab.

Richtig wichtig aber wird der Kindergeburtstag werden, der thematisch schon seit Wochen unsere Gespräche dominiert. Ich überlege kurz, ob ich – wie viele andere Eltern – die Party auslagere und irgendein Event (Zoobesuch, Museum, Baden) buche. Ich entscheide mich für daheim bleiben und bereite 1-2 Spielideen vor. Richtig Freude kommt nicht dabei auf, denn die Nachrichtenlage kommt mir dazwischen. Es ist sind die Anschläge von Nizza und der Militärputsch in der Türkei, der blutig niedergeschlagen wird.

 

Kindliche Leichtigkeit der Nachrichtenlage entgegensetzen

Am Tag der Party selber stelle ich fest, wie sehr viel gelassener ich mit Kindergeburtstagen geworden bin. Das nicht vorhergesagte Regenwetter und zwei bereits am Vormittag aufgeregte Kinder brachten mich nicht aus der Ruhe. Stoisch bereitete ich die letzten Handgriffe für die Pferdeparty vor, die sich die Tochter gewünscht hatte. 

Pünktlich wie die Maurer wurden 3 Mädchen und 2 Jungen bei uns abgegeben. Das lang gezogene „Viiieel Spaß“ der Eltern hallte noch ein wenig in meinen Ohren. Und tatsächlich bereute ich bereits nach 15 Minuten mich für die Variante der „Homeparty“ entschieden zu haben. Der Lautstärkepegel war kaum zum Aushalten. Es wurde gerannt, getobt und geschrien. Es war der Alptraum, den ich bislang nie geträumt hatte. 

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Ich setze also mein strengstes Gesicht auf und rief mit fester Sportlehrerinstimme die Kinderschar zum Kaffeeklatsch. Wer etwas im Mund hat, kann nicht schreien, so mein Plan. Der Plan ging auf, und wir wechselten gemeinsam in eine ruhigere Phase. Das Geburtstagsflaschendrehen, das schon im vergangenen Jahr erfolgreich Premiere bei uns feierte, sorgte auch diesmal für eine gesittete Auspackkultur. Dabei sitzen alle Kinder mit ihren Geschenken im Kreis. Das Geburtstagskind dreht eine bunt dekorierte Flasche. Das Kind, bei dem die Flasche zum Stillstand kommt, darf als erstes sein Geschenk überreichen. Alle schauen gespannt, wie das Geschenk ausgepackt wird und nehmen Anteil an der Freude. Das war auch diesmal beeindruckend und wirkte harmonisierend auf die Horde Wildpferde.

Pferdequiz im Luftballonwald

Nach zwei bereits zu Hause durchgeführten Kindergeburtstagen weiß ich, dass „Weniger Mehr ist“ und habe daher nur eine kleine Aktivität vorbereitet. Dazu nutzten wir die Regenpause, um zur nahegelegenen Obstbaumwiese zu gehen, die mir schon in den vergangenen Jahren als Versteck für Luftballons diente. Seither heißt das kleine Areal bei uns „Luftballonwald“. Kleine in Luftballon versteckte Puzzleteile mussten von den Kindern gefunden, aufwändig von den Bäumen befreit und zu einem Bild zusammengesetzt werden. Es war mein Beitrag zur allgegenwärtigen #PokemonGo Hysterie:

Da die Wiese noch nass war, kam nun noch ein Hauch von Abenteuer hinzu. Nasse Schuhe mussten toleriert und dem gemeinsamen Rätseln untergeordnet werden. Meine vorab aus diversen Pferdebüchern der Tochter zusammengeschriebenen Quizfragen, wussten die Wildpferde gut zu beantworten. Es gab ein Kreischen und Hüpfen, um die richtige Antwort. Einen Moment dachte ich, dass ich das in meiner 10. Klasse mal ausprobiere. Wie auch immer: die Fragen wurden beantwortet und die Meute mit dem Hinweis auf einen versteckten Schatz im Garten wieder auf den Rückweg geschickt. Toll, dass man 6jährige nicht mehr auf Schritt und Tritt betreuen muss. So konnte ich – den Sohnemann (1,5) im Schlepptau – gemächlich zurückschlendern und die Aufteilung des Schatzes der Gruppendynamik bzw. der Durchsetzungskraft der Tochter überlassen.

Mit etlichen Gummibärchen in den kleinen Mündern begann die Kinderschar, sich selbst zu beschäftigen, und ich bin immer wieder erstaunt, wie gern und ausdauernd Kinder das in diesem Alter (noch) tun. So bemerkte ich kaum, dass es 18 Uhr wurde und die ausgeruhten Eltern ihre Kinder wieder einsammeln kamen. Keine 3 Minuten später setze ich diesen Tweet ab:

Eine friedliche Stille legt sich über das Haus. Die Tochter spielt mit ihren Pferdchen, der Sohn vertilgt die übrigen Gummibärchen. Ich atme tief durch und ziehe eine kurze

Bilanz

Klar war dieser Kindergeburtstag auf eine Weise anstrengend. Ich hatte etwas Vorbereitungszeit investieren und gerade zu Beginn der Party sämtliche Ressourcen aktivieren müssen. Doch dann wurde es immer leichter, und ich konnte fröhlichen, lebensbejahenden Kindern beim Spielen zusehen. Mehr noch: ich bekam die Möglichkeit, die Tochter in einer Situation zu erleben, die ich sonst nie zu sehen bekomme, nämlich im Kreise ihrer Freunde. Ich durfte dabei sein, wie sie mit ihnen kommuniziert, wie sie kleine Unsicherheiten überspielt, wie sie Euphorie körperlich ausdrückt. Das war eine sehr wertvolle Erfahrung, wofür sich der Vorbereitungsaufwand allemal gelohnt hat.

An diesem Tag bringe ich einen sehr erschöpften, aber glücklichen Pferdefan ins Bett. Passenderweise lege ich mich gleich dazu. 



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