Lernen am Frühstückstisch

In diesem Artikel beschreibe ich, wie ich ausgehend von einer Frühstückssituation in 3facher Hinsicht gelernt habe: 1.) Twitter als Lernnetzwerk (PLN) zu begreifen, 2.) meine eigenen Lernzugänge zu überdenken und 3.) konkave und konvexe Krümmung von Löffeln zu unterscheiden.

Ausgangspunkt war dieser Tweet, der eine Situation am Frühstückstisch illustriert:


Weil ich das Phänomen der konkaven und konvexen Spiegelung in einem Löffel nicht erklären konnte, befragte ich meine Twitter-Timeline. Das erste Mal im Übrigen. Es entspann sich zugleich ein kleiner Austausch, in dem ich wertvolle Hinweise in der Sache und in Bezug auf Experimentieren mit Kindern bekam. Ich habe sie sehr dankbar aufgenommen und in Hinblick auf Twitter als mein „persönliches Lernnetzwerk“ (PLN) eine weitere positive Erfahrung gemacht. Interessanterweise hat sich von den vielen Follower-Lehrer*innen keiner gemeldet.

Im Laufe des Tages erhielt ich noch 2 aufschlussreiche Videos zum Thema. Während des anschließenden Twitter-ping-pongs wurde mir allerdings klar, worin mein Ärger tatsächlich besteht. Einerseits wurmt es mich, dass ich solch einfache – wahrscheinlich zum Kanon der Allgemeinbildung gehörende – physikalischen Experimente nicht zu erklären vermag. Andererseits bin ich genervt, dass sogar ein Video von „Die Sendung mit der Maus“ von mir maximale Konzentration abverlangt, damit ich dem Inhalt folgen kann. Ich merke, wie ich regelrecht verkrampfe. Mein Körper nimmt die damalige „Jetzt-bloß-nicht-ungefragt-drankommen-im-Physikunterricht-Schockstarre“ an und kann folglich die Synapsen im Hirn gar nicht so recht schwingen lassen.

Solche Blockaden zeigen sich bei mir vor allem im Bereich der naturwissenschaftlichen Phänomene. Sie sind auch ein Grund, warum ich mich dem Thema der digitalen Bildung so lange verschlossen habe. Ich finde das traurig. Und es zeigt mir, wie wichtig eine Lernumgebung ist, in der sich ein*e Jede*r wohlfühlt. Angstfrei seinen eigenen Wissenshorizont zunächst erfahren und mit Hilfe eigener und neuer Lernzugänge erweitern zu können: das sollte in meinen Augen Grundbedingung erfolgreichen Lernens sein!

Indem ich meine physikalischen Unzulänglichkeiten semi-öffentlich zur Schau gestellt habe, wurde mir klar, wie ich meine Wissensstrategien mehr oder weniger bewusst an meine Tochter (5) weitergebe. Themen, deren Unwissenheit bei mir Scham und schlechte Schul-Erinnerungen hervorrufen, versuche ich zu vermeiden, reagiere unsouverän oder mit merkwürdigem Halbwissen. Es sollte mich demnach nicht wundern, wenn sie bald keine Fragen mehr stellt aus Sorge, es könnte mir peinlich sein. Denn in unzähligen Rollenspielen habe ich ihr so etwas wie Perspektivwechsel und Empathie vermittelt. Darin bin ich nämlich ganz gut. Töchterlein auch.

Kurzum: ich habe mir vorgenommen, diese Dynamik in der Wissensvermittlung zwischen meiner Tochter und mir hin und wieder zu durchbrechen, indem ich meine Unwissenheit und meine Scham dahinter thematisiere. Ich möchte ihr die Chance geben, ihre eigenen kleinen Blockaden auszubilden, die sie dann auf ihre Weise – gern mit der „Internet-Welt“ – bearbeiten kann. Meine Aufarbeitung hat heute begonnen:

 Erklärvideos zur konvexen und konkaven Krümmung bei Löffeln

 

Dieser Text ist entstanden mit freundlicher Unterstützung von @Frau Schussel, @gute Kinderstube und @meincomputerkind. Vielen Herzlichen Dank!

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