Mobbing – ein Thema der Schulkultur

Zu den großen Glückseligkeiten meines derzeitigen Lebens gehört die Tatsache, mich dieses Mal für 2 Jahre Elternzeit entschieden zu haben. Einerseits war es gut und notwendig, genügend Zeit und Raum für die Ankunft des Sohnes und die damit verbundenen Veränderungsprozesse innerhalb der Familie zu haben. Andererseits kam die Auszeit vom Job genau zum richtigen Zeitpunkt, erlaubte mir (wieder) Distanz zu finden und neue Perspektiven zu entwickeln. Eine dieser Perspektiven ist die Ausbildung zur Mediatorin BM bei einem Büro für Mediation und interkulturelle Kommunikation in Berlin. Schon lange ist mir klar, dass ich im Lehrberuf nur dann weiterhin gut werde arbeiten können, wenn ich mich im Hinblick auf die Bearbeitung von Konflikten noch weiterhin professionalisiere. Seit November 2015 besuche ich nun einmal monatlich Wochenendseminare zum Thema Mediation und Konfliktbearbeitung.  Am vergangenen Wochenende wurde u.a. das Thema „Mobbing“ behandelt, was ich hier mit Blick auf die Schule zusammenfassen möchte.

Stopp_Mobbing

Bildnachweis: Alexas_Fotos pixabay.com

Ich selbst habe in meiner Schullaufbahn noch keinen „Mobbingfall“ erlebt. Gleichwohl höre ich immer öfter von derartigen Vorfällen. Besorgte Eltern erzählen mir von ihren älteren Schulkindern, dass in deren Klassen Mobbing aufgetreten wäre – insbesondere im Zusammenhang mit sozialen Netzwerken. Aus anderer Richtung vernehme ich, dass Jugendliche selbst behaupten, in ihrer Klasse gäbe es Mobbing. Halb im Spaß, halb im Ernst fügen sie hinzu, dass sie selbst bereits gemobbt wurden. Keinem dieser Fälle bin ich auf den Grund gegangen. Und dennoch habe ich den Eindruck, dass der Begriff „Mobbing“ ein wenig inflationär geworden ist und für Verhaltensbeschreibungen genutzt wird, die der Ernsthaftigkeit der Situation nicht gerecht werden. Mobbing – so scheint mir – gehört zu einer „Jugendbiographie“ im 21. Jahrhundert dazu. Eine fatale Entwicklung wie ich finde. 

Was ist Mobbing?

Unter Mobbing versteht man offene und/oder subtile Gewaltanwendungen gegen eine oder mehrere Personen über längere Zeit mit dem Ziel der sozialen Ausgrenzung. (http://www.schueler-gegen-mobbing.de). Mir war bislang nicht klar, welche Rollen beteiligte Personen einnehmen, die man bei der Bearbeitung eines solchen Vorfalls in jedem Fall identifizieren sollte. Da gibt es zum einen die sog. Betreiberalso jene, die die Aktionen planen und durchführen. Ihnen zur Seite stehen die sog. Helfer, die bei möglichen Übergriffen beispielsweise darauf achten, dass niemand zuschaut; „Schmiere stehen“. Und es gibt die Gruppe der sog. Möglichmacher – wohl die entscheidende Gruppe in einem solchen Prozess – die nicht darauf achten, dass Grenzen gesetzt und eingehalten werden. Bei der Bearbeitung von Mobbingprozessen scheint diese Gruppe besonders wichtig zu sein, v.a. im Hinblick auf künftige Prävention.

Wenn Mobbing stattfindet, wurde zu lange zugeguckt

Klassischerweise wird ein Mobbingprozess in 4 Phasen eingeteilt:

  • Phase 1: Gemeinheiten werden platziert: ärgern, hänseln, Beschimpfungen, Haare ziehen, Sportzeug verstecken, etc.
  • Phase 2: Mobbing wird möglich durch Möglichmacher. Das heißt, diese Beschimpfungen und Übergriffe sind nur möglich, weil ein großer Teil der Klasse oder gar die Lehrperson zuguckt und nichts dagegen unternimmt.
  • Phase 3: Die Gemeinheiten werden massiver und zudem systematisch geplant. Jetzt handelt es sich um einen bewussten Prozess, in dessen Mittelpunkt ein zutiefst destruktives Handeln steht.
  • Phase 4: bedeutet den Ausschluss der Person aus dem System Klasse. Dies geschieht manchmal unbemerkt, weil sich die gemobbte Person krank meldet. 
Mobbing

Bildnachweis: Counselling pixabay.com

Ich nehme zur Kenntnis, dass sowohl Jungen als auch Mädchen gleichermaßen zu Mobbing fähig sind. Lediglich die Erscheinungsformen differieren: während Jungen zu physischer Gewaltanwendung neigen, gehen Mädchen zumeist subtiler vor. Beides bleibt jedoch eine Form der Gewaltanwendung und muss in meinen Augen scharf sanktioniert werden. Nicht umsonst handelt es sich bei Mobbing bzw. einzelnen Mobbinghandlungen um einen Straftatbestand!

Ein weiterer Aspekt, den ich erschreckend sowie einleuchtend zugleich fand:

Das bedeutet, dass der Umgang miteinander und die Kommunikation aller Akteure einer Schule untereinander entscheidend dafür ist, ob Mobbingstrukturen entstehen und sich ausbreiten können. Die Schulkultur gibt es entweder her oder nicht. Als Lehrperson dieser Institution frage ich mich, welche Verantwortlichkeit liegt bei mir, wenn Mobbing an meiner Schule auftritt. Ich denke, dass ich noch stärker als bisher darauf achten kann, wie in meinem Unterricht kommuniziert wird. Ein aus Spaß dahingesagtes: „Ey, Du bist behindert.“ oder  „(…) was ist das denn für eine schwule Übung.“ – ist eben kein Spaß, sondern Ernst. Bei solchen Äußerungen möchte ich künftig noch früher einschreiten und Grenzen setzen. In diesem Sinne scheint mir die beste Prävention in Bezug auf potentielles Mobbingverhalten ohnehin ein respektvoller Umgang zwischen Schulleitung, Lehrer_innen, Schüler_innen, Eltern, Essensfrauen, Hallenwarten, Raumpflegern (…) – kurzum: zwischen den Menschen zu sein.

 

 

 

 

 

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