Reiseproviant für (m)eine Bergwanderung

Meine Einsatzplanung als Lehrerin für das kommende Schuljahr hat mich vor einigen Tagen zu diesem Jammerpost veranlasst. Inzwischen kenne ich mich und meine Dispositionen im Zusammenhang mit dem Lehrberuf ganz gut, so dass ich weiß, dass hinter diesem vordergründigen Geseufze ein paar grundsätzlichere Themen stecken, über die ich an anderer Stelle schreiben werde. Als erste Strategie zur Bewältigung dieser kleinen Depriphase habe ich mich um Proviant für (m)eine Bergwanderung gekümmert.

Zusammen mit dem Sohn (18 Monate) habe ich nämlich einen Rhabarber-Himbeerkuchen mit Baiserhaube gebacken. Das erste Mal überhaupt. Das wollte ich schon lange einmal tun. Und da der Rhabarber im Kühlschrank nach Verwertung rief, ließ ich die „Bearbeitung der alltäglichen to-do-Liste“ auf sich beruhen. Prokrastination jawoll! Das Manschen mit dem Filius hat mir großen Spaß bereitet und gemundet hat das Backwerk außerdem!

Am Abend war ich mit einer langjährigen Freundin verabredet, die ich länger nicht gesehen hatte, und auf deren neuen Lebensabschnitt ich sehr gespannt war.

Wir verbrachten einen sehr schönen Abend in einem nicht zu hippen Café in Berlin-Friedrichshain. Wir sprachen über alte Zeiten, verflossene Lieb- und aktuelle Partnerschaften und über die lieben Kinder. Wir waren uns nahe. Was ihren Entschluss, den Schuldienst zu verlassen, angeht, so sind es ähnlichen Beweggründe, die mich regelmäßig an diesem Beruf bzw. dessen Bedingungen, unter denen ich ihn ausübe, (ver)zweifeln lassen. Es sind Themen wie hohe Arbeitsbelastung und fehlende Wertschätzung. Es geht um die Rolle, die Lehrende im System Schule ausüben. Es geht um bewerten und selektieren in einer Leistungsgesellschaft, die wir in ihrer gegenwärtigen Erscheinung kritisieren. Es geht um ein für uns nicht immer praktikables Verständnis vom Lehrberuf.

Ich bewundere den Mut meiner Freundin, entgegen aller Sicherheitsbedenken diesen Schritt zu wagen. Ich kann ihre Entscheidung auch sehr gut nachvollziehen. Im Laufe meiner Elternzeit habe ich mich genau mit diesen Themen auseinandergesetzt. Allerdings bin ich zu anderen Ergebnissen in Hinblick auf meine berufliche Perspektive gekommen. Kurzum: in diesem Punkt gehen wir fortan unterschiedliche Wege. 

Was meine kleine Depriphase der letzten Tage anbelangt, so habe ich festgestellt, dass es einmal mehr lohnt, diesen Gefühlen Raum zu geben, auf sie zu achten und die dahinterliegenden Bedürfnisse zu erkennen. Mit dem geeigneten Reiseproviant im buchstäblichen und übertragenen Sinne fällt die Vorbereitung auf die Bergwanderung „Schuljahr 2016/17“ schon bedeutend leichter.

 

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