Rollen und Rollenverhalten in Gruppen

Am vergangenen Wochenende fand das 6. von 10 Modulen meiner Mediationsausbildung statt, auf das ich mich schon lange gefreut hatte. Es behandelte den Themenkomplex „Mediation in Teams und Gruppen“. Mindestens in zweifacher Hinsicht war es für mich eine spannende Lernerfahrung: 1.) Bin ich selbst als Lehrerin Mitglied eines Teams bzw. einer Gruppe (Fachbereich, Kollegium) und 2.) Begleite ich als (Klassen)Lehrerin Schulklassen und Kurse. In beiden Fällen nehme ich aktiv und passiv an Gruppendynamiken teil.

Ein Unterthema beschäftigte sich mit dem Aspekt „Rollen und Rollenverhalten“ in Team- und Gruppenkontexten. Im Nachgang deklinierte ich mögliche Rollen in Bezug auf eine Schulklasse durch und befragte Interessierte, wer in diesem Zusammenhang noch zu nennen wäre.

Diese Aufzählung wird ergänzt durch: Normalos, Taschenträger, Heulsuse, Träumer, den Außenseiter und den „Immer-dagegen-Typus“. Besonders schön fand ich außerdem den „Tarnklamottenjogginghosentypus“. Danke an all jene für die Ergänzung!

Wir besprachen im Seminar, dass jede Rolle ihre Vor- und Nachteile hätte, gleichwohl es einige Rollen gibt, die begehrter sind als andere. Dennoch: So einsam und schmerzhaft die Rolle des Außenseiters ist, man könnte mutmaßen, dass der-/diejenige nicht dem permanenten Druck ausgesetzt sei, Erwartungen zu erfüllen. Ebenso ambivalent der Klassenclown. Während ihm die die Aufmerksamkeit bei seinen Späßen zufliegt, fühlt er sich allein, wenn das Lachen verhallt ist.

Es heißt, dass sich die Rollen, die innerhalb einer Gruppe verteilt sind, binnen einer Stunde zeigen. Für die hier kürzlich berichtete Elternversammlung, auf der ich die Eltern meiner künftigen Schüler_innen das erste Mal traf, kann ich das bestätigen. Bereits in den ersten 15 Minuten, übernahmen Eltern per Wortmeldung eine spezifische Rolle in der Elternschaft. Da war zum einen die „Besorgte Mutter“, die 3x das Wort forderte, um ihr Sicherheitsbedürfnis nach „Was muss alles, wann angeschafft werden?“ zu befriedigen. Es gab weiterhin den „schlurfigen Vater“, der herrlich berlinerte und für seinen sportlichen Sohn Arbeitsgemeinschaften in Erfahrung bringen wollte. Er brachte die Elternschaft und mich zum Lachen, und ich weiß jetzt schon, dass mir sein Sohn sympathisch sein wird. Und dann gab es die „Vermittler“, die der „besorgten Mutter“ den Hinweis auf die Tagesordnung gaben. Die Aufzählung ließe sich fortsetzen.

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Bildnachweis: Peggy_Marco pixabay.com

Ich habe aus dem Seminar mitgenommen, dass es wichtig ist, Rollen sich nicht zu sehr verfestigen zu lassen. Gleichzeitig ist es eine systemische Gewissheit, dass Rollen, sehr beständig sind. Wer einmal eine Rolle ausübt, hat Schwierigkeiten sie wieder zu verlassen. Dazu braucht es die Unterstützung der Gruppe. Darüber hinaus sind an Rollen häufig Aufgaben geknüpft. Auch diese müssen bei einem Wechsel der Rollen übernommen werden.

Ich denke in diesem Zusammenhang an einen Kollegen, der nicht müde wird, auf jeder Konferenz darauf hinzuweisen, dass wir (mehr) auf Ordnung und Sauberkeit in den Klassenräumen achten mögen. Je nach Erschöpfungszustand und Stimmung der Gruppe erntet er dafür Zustimmung oder Augenrollen. Ich denke, es wäre für den Erfolg der „Ordnungsbotschaft“ hilfreich, wenn er die Rolle des „Mahners“ an jemand anderen abgeben würde bzw. sich jemand fände, der diese Rolle übernimmt. 

Im Nachgang des Seminars wird mir außerdem klar, warum mein beruflicher Wiedereinstieg seit Mai 2016 nach 2 Jahren Elternzeit etwas gedämpft verläuft. Es gäbe viele Antworten auf diese Frage. Aber eine ist in jedem Fall, dass ich auf der Suche nach meiner (neuen) Rolle im Kollegium bin. Neben den strukturellen Veränderungen (Neueinstellungen, Pensionierungen, Neuausrichtung des Profils) bin vor allem ICH diejenige, die nach zwei Jahren Jobpause – die de facto eine berufliche Neu-Orientierung waren – nunmehr als zweifache Mutter zurückkommt. Ich merke, wie mich diese Erkenntnis in Bezug auf mein merkwürdiges Bauchgefühl entspannt, und ich mir erlaube, für dieses Ankommen in der neuen Rolle Zeit zu nehmen.

Grundsätzlich haben sich im Laufe des Seminars ein paar Fragen ergeben, die ich mir künftig in Bezug auf mein eigenes Rollenverhalten häufiger stellen möchte, weshalb ich sie als Erinnerungsstütze hier aufschreibe:

  1. Welche Rolle(n) übernehme ich in welchen Kontexten?
  2. Bin ich mir der jeweiligen Rolle(n) und ihrer Wirkung(en) bewusst?
  3. Was kann ich tun, um eine lang beanspruchte Rolle zu verlassen? Wo brauche ich hierbei Unterstützung?
  4. Welche Rolle würde ich gern einmal ausfüllen? Was müsste ich hierfür tun?

Ich schließe diese kleine Nachlese zum Mediationsseminar mit einem Satz, der, je mehr ich ihn verstehe, maßgeblich dazu beiträgt, dass sich ein heftiger, nicht in Gänze bearbeiteter Konflikt, von meiner Seite beginnt aufzulösen. Eine angenehme Erfahrung.  

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