Schulranzenchallenge

Die Einschulung der Tochter rückt immer näher. Dementsprechend nehmen die Vorbereitungen für dieses Ereignis Gestalt an: zunächst die Anmeldung inklusive Hortantrag, dann die zweifelhafte Schuleingangsuntersuchung und nun die Überlegungen zum notwendigen Equipment – konkret der Schulranzen. 

Aber bereits nach wenigen Suchanfragen werfe ich das Handtuch: 

Die Vielzahl an Marken, Modellen, Farben, Motiven und Zubehör überfordert mich. Schnell wird mir klar, dass dieser TOP nicht in einem Mittagsschlaf des Sohnes erledigt ist. Weitere Überlegungszeit nehmen Set-Angebote in Anspruch. Darin enthalten gleich eine ganze LKW-Ladung an Schulzubehör, die in Summe offensichtlich kostengünstiger sind. Wobei kostengünstig hierbei einen Euphemismus darstellt. Gleichzeitig sehe ich vor meinem geistigen Auge geklonte Erstklässlerinnen mit den gleichen Schulranzen, Sporttaschen, Federmappen, Trinkflaschen und Brotbüchsen – darunter meine Tochter. In mir steigt der Wunsch auf, warum die Grundschule neben ihren Schul-Tshirts und Hoodies nicht auch Ranzen mit Logo auf ihrer Homepage anbieten könnte. Das würde einiges vereinfachen. 

Neben der Optik ist unter uns Spielplatzmüttern das Gewicht ein wichtiges Kriterium. Tatsächlich erscheint die Angabe zum Gewicht bei allen Anbietern ganz oben auf der Agenda. Als besorgte Mutter möchte ich natürlich auch nicht, dass die Tochter einen schweren Ranzen – in dem trotz „digitaler Bildung“ noch Schulbücher stecken – tragen muss. Allerdings frage ich mich, wie oft sie das in den ersten beiden Klassen auch wirklich tun muss. Der kurze Weg vom Schultor bis in den Klassenraum ist ihr vermutlich zu zumuten. Und bis sie dereinst den Schulweg allein mit dem Roller oder Fahrrad bewältigen wird, ist ihr Rücken stark genug. Ehrlich gesagt, halte ich ihn jetzt schon für schulranzentauglich.

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Bildnachweis: ClkerFreeVectorImages pixabay.com

Bleibt der Aspekt des Verschleißes – ein sehr wesentlicher in meinen Augen. Auch wenn die Modelle mich in ihrer koketten Schönheit aus dem Internet anstarren, so weiß ich doch aus sicherer Quelle, dass Schultaschen ein Gebrauchsgegenstand sind. Spätestens wenn die Kinder in der großen Pause vor der Turnhalle einen dieser berüchtigten Rucksackberge bauen, weil sie ohne Gepäck noch spielen wollen, dann hat sich die Investition in ein robustes Material gelohnt. Gleiches denke ich, wenn ich während meiner Pausenaufsicht hin und wieder die Trendsportart „Schulmappenkampf“ beobachten kann. Auch hier wünscht man sich keine Trinkpäckchen in und stabile Nähte an der Mappe.

Lange Rede, kurzer Sinn: Das erste Level der Schulranzenchallenge habe ich sang- und klanglos verloren. Ich brauche dringend Strategien zur Bewältigung der Herausforderung „Schulanschaffungen“, sonst startet die Tochter bereits traumatisiert in den „Ernst des Lebens“.

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4 Kommentare zu “Schulranzenchallenge

  1. Neben Stabilität würde ich ich folgende Kriterien (vor allem bei Jungs) einbeziehen:
    – wie gut reinigbar … den auf dem Pausenhof gibt es hin und wieder Pfützen in denen die Tasche scheinbar besonders gerne abgestellt wird. Mädchen würden ihr geliebtes Einhorn natürlich nicht dahin stellen!!
    – wie stabil sind Verzierungen angebracht … nur aufgeklebt und lassen sich damit in einer langweiligen Stunde abpopeln oder fest draufgenäht, geheftet oder genietet.

  2. Warum verloren? Du hast Dich der kaufgeilen Marketingmaschine erstmal widersetzt, das ist schon mal gut und ein Gewinn. Robustheit scheint mir weniger das Problem zu sein – ich denke, die meisten Markenmodelle werden da ähnlich sein. Passform auf dem Rücken wäre evtl. noch ein Aspekt, was zumindest bei uns relevant war (K2 wird ebenfalls im September eingeschult, K1 kommt in die dritte Klasse) Der Ranzen von K1 passt überhaupt nicht zum Rücken von K2, was ich vorher nicht gedacht hätte.

    Was ich auch noch wichtig fand: den oft flüchtigen Wünschen der Kinder bezüglich des Designs nur in vertretbarem Maß nachzugeben, denn sie sollen (zumindest hier) den Ranzen während der ganzen Grundschulzeit benutzen (beim fürstlichen Preis für so einen Ranzen ist das aus meiner Sicht das Mindeste) und was heute super scheint, ist in der dritten Klassen womöglich nicht mehr so toll.

    Viel Erfolg.

    • Ich merke, dass ich mit meinem ostdeutschen Migrationshintergrund in diesen Fragen zu Pragmatismus neige, von wegen – ‚ging ja früher auch mit 3 Modellen‘. Und dann blökt noch die Sportlerhrerinstimme dazwischen, dass man Haltungsschäden am besten mit Bewegung vorbeugt. Aber gut, ich werde auf Ergonomie achten und auf die flüchtigen Geschmäcker sowieso. Vielen Dank für Deinen Erfahrungsbericht!

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