Wenn aus Arbeitstreffen Begegnungen werden

Gestern traf ich mich mit 3 Frauen aus meiner Mediationsausbildung, um gemeinsam Fallbeispiele und Fragestellungen rund um das Thema Konflikte zu bearbeiten. Wir haben uns länger nicht gesehen. Wie bei den vorherigen Treffen gibt es einen köstlichen Gabentisch – diesmal mit einem hervorragenden Rhabarberkuchen. 

Während des Essens nutzen wir die Zeit, um uns gegenseitig von den Erlebnissen der letzten Wochen zu berichten. Es gibt spannende Einblicke in eine Urlaubsreise, aufschlussreiche Berichte über neue und alte Jobs. Ich erzähle von meinem beruflichen Wiedereinstieg nach der Elternzeit. Wir hören uns aufmerksam zu. So wie man sich zuhört, wenn man sich noch nicht allzu lange kennt, weil man kein Detail verpassen möchte. Es gibt keine Redundanzen, wie es in langjährigen Freundschaften hin und wieder der Fall ist.

Es herrscht eine konzentrierte Stimmung in der kleinen Küche in Kreuzberg. Für einen Moment bedauere ich, dass wir doch nicht in den Park gegangen sind. Andererseits wären wir vielleicht nicht so fokussiert gewesen, wie ich es gestern wahrgenommen habe. Ich finde das bemerkenswert, denn ich kann mich nicht erinnern, wann ich zuletzt so intensiv während Verabredungen bei der Sache war.

Obwohl wir keine vorbereiteten Themen besprechen, ergeben sich immer wieder Bezüge zur Mediation. Wir klopfen Situationen im Job auf Eskalationsstufen und Kommunikationsmuster ab. Wir tauschen uns über unsere Erfahrungen zur Gewaltfreien Kommunikation aus. Und ich berichte, wie ich zusammen mit der Tochter eine neue Sprache erlerne – wertschätzende Kommunikation.

Gegen Ende des Abends sprechen wir über Social Media und wie sie sich unserer Vorstellung nach auf die Gesellschaft auswirken. Es ist mein aktuelles Thema, und ich merke, dass es etwas viel Raum beansprucht. Ich nehme es hin – offenbar suchen und nehmen sich Themen ihre Aufmerksamkeit, die sie brauchen.

Irgendwie werden wir ausgelassener. Es ist, als ob ein wenig Anspannung von uns allen abfällt, weil wir merken, wir erfüllen die (unausgesprochenen) Erwartungen oder enttäuschen sie zumindest nicht. Weil wir nach und nach mehr von unserem Leben preisgeben. Es ist der Moment, in dem aus Arbeitstreffen Begegnungen werden.

Wir lachen sehr über einen Spruch, den eine aus der Runde zum Besten gibt. Ich frage sie, ob ich ihn später twittern dürfe. Ich darf. Ich weiß, dass einige Leute aus meiner Timeline diesen Spruch mögen werden. Der Zuspruch lässt auch nicht lange auf sich warten. Es ist das erste Mal, dass ich eine Situation im realen und im online Leben nicht als konkurrierend wahrnehme. Beides hat seinen Platz und seine Berechtigung: das herzhafte Lachen mit den reizenden Ladys in der Küche und die Reaktionen später auf Twitter. Das war eine interessante Erfahrung für mich.

Bei der Verabschiedung flachsen wir über die morgigen Pläne und darüber, wie sehr sich alle auf das Ausschlafen freuen. Ich schlucke ein wenig. Ich bin die einzige Mutter in der Runde. 

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Bildnachweis: Ylvers pixabay.com

Zuhause verlängere ich den Abend. Obwohl ich weiß, dass meine Nacht morgen sehr früh beendet sein wird, hänge ich meinen Gedanken nach. Ich bin fasziniert davon, wie unterschiedlich Biographien verlaufen und wie zufällig das Leben einem Menschen an die Seite stellt. Ich frage mich, wie oft ich noch solche Begegnungen erleben darf, in denen in einer ganz bestimmten Phase des Lebens – in diesem Fall die Mediationsausbildung –  einander gemeinsame Themen verbinden. Ich genieße die nächtliche Stille und den Weißwein. Ab und zu meldet sich Twitter. Alles ist fein!

Am nächsten Morgen um 5.36 Uhr lächele ich den Sohn an!

 

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